Perplexity Comet gehackt: KI-Browser übernimmt 1Password-Konten

Sicherheitsforscher zeigen, wie Perplexitys agentischer Browser Comet über eine Kalendereinladung lokale Dateien stiehlt und 1Password-Konten komplett übernimmt.

Victor Klaue Victor Klaue IT-Projektleiter & KI-Analyst 04. März 2026 2 min Lesezeit
Perplexity Comet gehackt: KI-Browser übernimmt 1Password-Konten

Sicherheitsforscher von Zenity Labs haben zwei kritische Angriffsvektoren in Perplexitys agentischem Browser Comet demonstriert. Das Erschreckende: Es braucht keine klassische Software-Schwachstelle. Eine manipulierte Kalendereinladung reicht.

Was ist passiert?

Comet ist Perplexitys KI-Browser, der eigenständig im Auftrag des Nutzers agiert, Termine verwalten, Webseiten besuchen, Formulare ausfüllen. Genau das wurde zum Problem.

Die Forscher zeigten zwei Angriffe:

1. Lokale Datei-Exfiltration Comet wird durch versteckte Anweisungen in einer Kalendereinladung dazu gebracht, das lokale Dateisystem zu durchsuchen, sensible Dateien zu öffnen und deren Inhalt an einen externen Server zu senden. Für den Browser sieht das aus wie ein normaler Seitenaufruf.

2. Vollständige 1Password-Kontoübernahme Comet navigiert in den authentifizierten 1Password Web Vault, legt Passwörter offen und überträgt Zugangsdaten an den Angreifer. In der eskalierten Variante ändert der Agent das Masterpasswort und sichert sich den Secret Key, vollständige Übernahme in einer Aktion.

Kein Bug, sondern ein Designproblem

Keiner der Angriffe nutzt eine klassische Sicherheitslücke. Comet arbeitet exakt so, wie es designed wurde. Das Problem: Der Agent kann nicht zuverlässig zwischen der Absicht des Nutzers und den Anweisungen des Angreifers unterscheiden. Die Forscher nennen das «Intent Collision».

Die 1Password-Browser-Extension verschärft das Ganze: Sie bleibt standardmäßig bis zu 8 Stunden entsperrt und meldet den Nutzer automatisch im Web-Interface an. Jeder Prozess im Browser-Kontext erbt damit Zugang zum Passwort-Tresor.

Wie der Angriff funktioniert

Die Angriffstechnik ist gezielt auf Comets interne Architektur zugeschnitten. Die Forscher extrahierten zunächst Comets System-Prompt und stellten fest, dass der Agent intern eine <system_reminder>-Struktur verwendet. Dieses Format verwendeten sie in der Kalendereinladung, um ihren Anweisungen höhere Priorität zu verleihen.

Getarnt wurde das Ganze durch: - Zahlreiche Leerzeilen zwischen harmlosen Meetingdetails und den eigentlichen Anweisungen - Ein gefälschtes Button-Element, das Comet als legitimes UI-Element interpretiert - Eine Mischung aus Hebräisch, Englisch und narrativer Rahmung («Alice bittet ihren Assistenten um Hilfe»), die generische Schutzfilter umgeht

Fixes vorhanden, aber manuell

Zenity Labs meldete die Schwachstellen im Oktober und November 2025 an Perplexity und 1Password. Perplexity hat einen Hard-Block implementiert, der Comet den Zugriff auf file://-Pfade verwehrt. Für den 1Password-Angriff empfiehlt 1Password, die automatische Entsperrzeit zu reduzieren.

Was das bedeutet

Dieser Fall zeigt ein grundlegendes Problem agentischer KI-Systeme: Je mehr Rechte ein Agent hat, desto gefährlicher wird Prompt Injection. Kalendereinladungen, E-Mails, Dokumente, Webseiten, all das sind potenzielle Angriffsvektoren, sobald ein KI-Agent auf deren Inhalt reagiert.

Wer Comet nutzt und 1Password integriert hat: Auto-Lock auf maximal 15 Minuten setzen und sensible Aktionen grundsätzlich manuell bestätigen.


Quellen: Zenity Labs Blog, The Decoder

Ähnliche Beiträge

KI findet mehr Schwachstellen, als Teams fixen können

KI findet mehr Schwachstellen, als Teams fixen können

Mehr Findings sind kein Fortschritt, wenn Triage und Patches nicht mithalten. Drei Stufen KI-Sicherheit, drei neue Versagensmodi.

24. Mai 2026 11 min
NVIDIA NemoClaw erklärt: Was der Sicherheits-Stack für KI-Agenten kann — und was nicht

NVIDIA NemoClaw erklärt: Was der Sicherheits-Stack für KI-Agenten kann — und was nicht

NVIDIA NemoClaw fügt OpenClaw-Agenten Sandbox-Isolation, Policy-basierte Netzwerkkontrolle und Credential-Trennung hinzu. Doch Sandboxing allein löst das Agenten-Sicherheitsproblem nicht, und genau das ist.

30. Apr. 2026 8 min
KI-Urteil der Woche: Wenn die Firewall denkt — und trotzdem versagt

KI-Urteil der Woche: Wenn die Firewall denkt — und trotzdem versagt

Unit 42 zeigt: LLM-Guardrails sind keine Sicherheitsgrenzen. Und KI in Malware ist real, aber oft mehr Theater als Bedrohung. Das Urteil.

24. Apr. 2026 3 min

Signal der Woche abonnieren

Eine Nachricht. Eine Analyse. Jeden Freitag im Newsletter.