Europa steht möglicherweise vor einer neuen KI-Allianz: Das deutsche Startup Aleph Alpha und der kanadische Anbieter Cohere verhandeln über einen Zusammenschluss, mit potenzieller Beteiligung des deutschen Bundes. Währenddessen häufen sich in den USA kritische Fragen zur Verantwortung von KI-Systemen, und Google baut seine Gemini-Plattform mit Notebooking-Funktion weiter aus.
Aleph Alpha und Cohere: Deutsch-kanadische KI-Allianz im Entstehen
Die Gerüchte verdichten sich: Aleph Alpha, das Heidelberger KI-Unternehmen, soll mit dem kanadischen Modell-Anbieter Cohere in Fusionsverhandlungen stecken. Besonders brisant: Berichten zufolge prüft auch die Bundesregierung eine Beteiligung an dem entstehenden Unternehmen. Das wäre ein klares Signal, dass Berlin die europäische KI-Souveränität aktiv mitgestalten will, nicht nur regulatorisch, sondern auch unternehmerisch.
Aleph Alpha war in den letzten Jahren eher mit strategischen Umstrukturierungen als mit Modell-Launches in den Schlagzeilen. Cohere hingegen positioniert sich stark im Enterprise-Bereich und arbeitet mit Unternehmen wie Oracle zusammen. Ein Zusammenschluss würde zwei komplementäre Stärken bündeln: europäisches Regulierungswissen und nordamerikanische Go-to-Market-Erfahrung. Die Verhandlungen laufen, ein Abschluss ist aber noch nicht bestätigt.
Florida untersucht OpenAI nach Schusswaffen-Anschlag
Floridas Generalstaatsanwalt James Uthmeier hat eine offizielle Untersuchung gegen OpenAI eingeleitet. Der Hintergrund: Beim Amoklauf an der Florida State University im April 2025, bei dem zwei Menschen getötet und fünf verletzt wurden, soll der Täter ChatGPT zur Planung der Tat genutzt haben. Anwälte eines Opfers erheben diese Vorwürfe, die Familie plant eine Klage gegen OpenAI.
„KI soll die Menschheit voranbringen, nicht zerstören", sagte Uthmeier. Vorladungen sollen folgen. Der Fall fügt sich in eine wachsende Liste von Vorfällen ein, bei denen ChatGPT mit Gewalt, Suizid oder dem in Fachkreisen diskutierten Phänomen der „KI-Psychose" in Verbindung gebracht wird. Für OpenAI ist das ein ernstes PR- und rechtliches Problem, besonders während einer Phase aggressiver Expansion.
Google bringt Notebooks in die Gemini-App
Google weitet seine Notebook-Funktion aus: Wer bisher NotebookLM nutzte, kann nun direkt in der Gemini-App bis zu 100 Quellen kostenlos hochladen und zusammenfassen lassen. Das senkt die Einstiegshürde für Research-Workflows erheblich. Nutzerinnen und Nutzer können PDFs, Webseiten und Dokumente einbinden, Gemini analysiert und verknüpft die Inhalte dann kontextuell.
KI-Destillation: Wie chinesische Firmen westliche Modelle anzapfen
Ein weiteres Thema, das sich zur Dauergeschichte entwickelt: Sogenannte „KI-Destillation", chinesische Unternehmen trainieren ihre Modelle systematisch auf den Outputs von ChatGPT, Claude und Gemini. Big Tech versucht gegenzusteuern, unter anderem durch überarbeitete Nutzungsbedingungen und technische Wasserzeichen. Die Methode ist schwer zu verhindern, da sie oft in einer rechtlichen Grauzone operiert.
- → Golem – Aleph Alpha und Cohere verhandeln über Zusammenschluss – Bundesbeteiligung möglich
- → TechCrunch – Florida AG announces investigation into OpenAI over shooting that allegedly involved ChatGPT
- → t3n – Google integriert Notebooks in Gemini-App: bis zu 100 Quellen kostenlos
- → t3n – KI-Destillation: Wie chinesische Firmen OpenAI, Google und Anthropic systematisch anzapfen