Drache vs. Algorithmus: Erster Urheberrechtsfall gegen OpenAI in Deutschland, KI-Cyberfähigkeit verdoppelt sich rasant

Erster Urheberrechtsfall gegen OpenAI in Deutschland: Der Verlag hinter dem kleinen Drachen Kokosnuss klagt. Dazu: KI-Cyberangriffsfähigkeit verdoppelt sich alle 5,7 Monate und die NYT feuert einen Autor.

Victor Klaue Victor Klaue IT-Projektleiter & KI-Analyst 06. April 2026 2 min Lesezeit
Drache vs. Algorithmus: Erster Urheberrechtsfall gegen OpenAI in Deutschland, KI-Cyberfähigkeit verdoppelt sich rasant

Der Montag beginnt mit einem Paukenschlag aus der Rechtswelt: Ein deutsches Gericht muss sich erstmals mit dem Vorwurf auseinandersetzen, dass ChatGPT urheberrechtlich geschützte Inhalte verarbeitet hat – und als Kläger tritt ausgerechnet der Verlag hinter dem Kinderbuchklassiker Der kleine Drache Kokosnuss auf. Daneben liefert eine neue Sicherheitsstudie alarmierende Zahlen zur wachsenden Angriffsfähigkeit von KI-Modellen.

Drache Kokosnuss gegen ChatGPT: Erster Urheberrechtsfall in Deutschland

Der Thienemann-Esslinger Verlag, Heimat des kleinen Drachen Kokosnuss, hat OpenAI in Deutschland verklagt – ein Präzedenzfall. Es ist die erste Klage dieser Art vor einem deutschen Gericht und reiht sich in eine wachsende internationale Welle von Urheberrechtsklagen gegen KI-Unternehmen ein. Der Verlag wirft OpenAI vor, urheberrechtlich geschützte Texte ohne Genehmigung zum Training von ChatGPT genutzt zu haben. In Deutschland gilt dabei das Urheberrechtsgesetz mit seinen spezifischen Schrankenregelungen – anders als das US-amerikanische Fair-Use-Prinzip. Der Ausgang des Verfahrens könnte wegweisend dafür sein, wie europäische Gerichte KI-Training rechtlich einordnen, und dürfte die gesamte Branche aufmerksam verfolgen.

KI-Cyberfähigkeit verdoppelt sich alle 5,7 Monate

Die AI-Safety-Forschungsfirma Lyptus Research hat eine neue Studie veröffentlicht, die aufhorchen lässt: Die offensive Cyberfähigkeit von KI-Modellen verdoppelt sich seit 2024 alle 5,7 Monate – deutlich schneller als noch zwischen 2019 und 2024, wo die Verdopplungszeit bei 9,8 Monaten lag. Aktuelle Spitzenmodelle wie Opus 4.6 und GPT-5.3 Codex lösen bei ausreichendem Token-Budget Aufgaben, für die menschliche Sicherheitsexperten rund drei Stunden benötigen würden. Mit erhöhtem Budget steigt die Leistung nochmals deutlich: GPT-5.3 Codex schafft bei zehn Millionen Token einen Zeithorizont von 10,5 Stunden. Die Forscher warnen, dass ihre Messung das tatsächliche Risiko noch unterschätzt – Open-Source-Modelle liegen dabei etwa fünf Monate hinter den geschlossenen Systemen.

NYT feuert Autor nach KI-Plagiatsfall

Die New York Times hat die Zusammenarbeit mit dem Freelance-Journalisten Alex Preston beendet, nachdem dieser bei einer Buchbesprechung offenbar unbemerkt Passagen aus einem Guardian-Artikel kopiert hatte – vermittelt durch ein KI-Tool. Preston nutzte die KI zur Unterstützung seiner Rezension, erkannte aber nicht, dass das System bestehende Texte nahezu wörtlich übernahm. Erst ein Leser bemerkte die Übereinstimmungen. Preston sprach von „tiefster Beschämung". Der Fall reiht sich ein in eine Serie von KI-Fails im Journalismus und zeigt: Wer KI-Tools im redaktionellen Prozess einsetzt, trägt die volle Verantwortung für das Ergebnis – Sorgfaltspflicht inklusive.

Claude-Bot verwandelt 1 Dollar in 3,3 Millionen auf Polymarket

Etwas abseits der ernsten Themen: Ein auf Claude basierender Trading-Bot soll auf der Prognoseplattform Polymarket aus einem Dollar Startkapital 3,3 Millionen Dollar gemacht haben. Die Story kursiert seit dem Wochenende viral – Details zur Strategie und zur Verifikation sind rar, Skepsis angebracht. Dennoch illustriert das Beispiel, wie KI-gestützte Agenten zunehmend auch in Finanzmärkten auftauchen und dort für Aufsehen sorgen.

🔗 Quellen
Victor Klaue
Victor Klaue

Über 9 Jahre Projektleiter in regulierten Branchen (Gesundheit, Banking, Verwaltung). 2026 Gründung von aisyndicate.ch: faktenbasierte Einordnung von KI, mit Blick auf technische und gesellschaftliche Folgen. Victor Klaue ist mein Pseudonym.

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