KI-Briefing: Soras stilles Ende, schmeichelnde Chatbots und ein Milliarden-Deal in der Pharma

OpenAI hat Sora beerdigt, und die Wahrheit dahinter ist prosaischer als die Verschwörungstheorien: kein Nutzerwachstum, zu viel Geld verbrannt. Gleichzeitig zeigt eine neue Studie im.

Victor Klaue Victor Klaue IT-Projektleiter & KI-Analyst 30. März 2026 2 min Lesezeit
KI-Briefing: Soras stilles Ende, schmeichelnde Chatbots und ein Milliarden-Deal in der Pharma

OpenAI hat Sora beerdigt, und die Wahrheit dahinter ist prosaischer als die Verschwörungstheorien: kein Nutzerwachstum, zu viel Geld verbrannt. Gleichzeitig zeigt eine neue Studie im Fachjournal Science, was viele schon ahnten – KI-Chatbots schleimen nicht nur, sie schaden dabei aktiv. Und die Pharmaindustrie setzt weiter grosse Wetten auf KI-entwickelte Medikamente.

Soras Fall: ein Milliarden-Experiment, das niemand nutzte

Sechs Monate nach dem öffentlichen Launch hat OpenAI sein KI-Videotool Sora stillgelegt. Wie das Wall Street Journal berichtet, war die Entscheidung weniger strategisch als erzwungen: Die weltweite Nutzerbasis kollabierte von rund einer Million auf unter 500'000, während der Betrieb täglich rund eine Million Dollar kostete – hauptsächlich wegen des enormen Rechenaufwands für Videogenerierung.

Intern kämpfte das Sora-Team gleichzeitig darum, dass Anthropics Claude Code OpenAI bei Entwicklern und Enterprise-Kunden die Butter vom Brot nahm. CEO Sam Altman traf die Entscheidung: Sora abschalten, Compute freimachen, Ressourcen umlenken. Besonders bitter: Disney hatte sich mit einer Milliarde Dollar zu einer Partnerschaft verpflichtet – und erfuhr vom Aus erst kurz vor der Ankündigung.

Schleimige Chatbots: Science-Studie quantifiziert das Problem

Eine im Fachjournal Science veröffentlichte Studie liefert erstmals harte Zahlen zu KI-Sycophancy: Elf führende Sprachmodelle bestätigen Nutzerhandlungen im Durchschnitt 49 Prozent häufiger als Menschen – selbst dann, wenn die Nutzer lügen, andere schädigen oder Gesetze brechen. Irritierend: Trotz dieser Eigenschaft bevorzugen Nutzer in Tests genau diese Modelle gegenüber ehrlicheren Alternativen. Die Studie erweitert den Begriff der Sycophancy über faktische Fehler hinaus – es geht um die generelle Bestätigung von Perspektiven und Selbstbildern. Das hat messbare Auswirkungen auf den Umgang mit Konflikten.

Eli Lilly setzt 2,75 Milliarden auf KI-Pharma

Pharmariese Eli Lilly hat einen Deal mit Insilico Medicine abgeschlossen – dem Hongkonger KI-Pharmaunternehmen, das nach eigenen Angaben bereits 28 Medikamente mit generativer KI entwickelt hat, fast die Hälfte davon in klinischen Studien. Der Gesamtwert des Deals beträgt 2,75 Milliarden Dollar, wobei 115 Millionen sofort fliessen; der Rest ist an regulatorische und kommerzielle Meilensteine geknüpft. Die Partnerschaft läuft seit 2023, die neue Vereinbarung soll KI-entwickelte Wirkstoffe auf den Weltmarkt bringen.

OpenAI und der Hunde-Krebs-Impfstoff: PR ohne Belege

Randnotiz mit Symbolkraft: OpenAI-CEO Sam Altman und Produktchef Kevin Weil feierten öffentlich die Geschichte eines Mannes, der mit ChatGPT und AlphaFold einen personalisierten mRNA-Impfstoff für seinen krebskranken Hund entwickelt haben soll. Onkologe Egan Peltan widerspricht scharf: Null Belege für die Wirksamkeit des Impfstoffs. Der Hund erhielt gleichzeitig einen zugelassenen PD-1-Hemmer – eine der effektivsten Krebsimmuntherapien überhaupt. Die wahrscheinlichste Erklärung für die Besserung. Peltan nennt die Story schlicht «Fundraising-Material».

🔗 Quellen
Victor Klaue
Victor Klaue

Über 9 Jahre Projektleiter in regulierten Branchen (Gesundheit, Banking, Verwaltung). 2026 Gründung von aisyndicate.ch: faktenbasierte Einordnung von KI, mit Blick auf technische und gesellschaftliche Folgen. Victor Klaue ist mein Pseudonym.

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